«Den Behinderten» gibt es nicht

Rontaler vom 11. Juni 2015

Gut 40 Interessierte fanden sich kürzlich an einem Freitagabend im Treff 6038 Gisikon ein, um Martin Hailer bei der Lesung aus seinem Buch zuzuhören.

Der Autor des teils autobiografischen Romans «Was guckst du so behindert» stellte sich auch den Fragen des Publikums. Organisiert wurde der Anlass durch Regula Roggenbach von der Gemeinde- und Schulbibliothek Root und durch Urs Frey vom Treff 6038 Gisikon.

Im hochkomplexen Rollstuhl las Martin Hailer im Treff 6038 in Gisikon aus seinem Buch «Was guckst du so behindert» vor. Der studierte Übersetzer und Dolmetscher, in seinen Bewegungsabläufen offensichtlich extrem stark eingeschränkt, las mit klarer, ruhiger und deutlicher Stimme und schönem Deutsch. Seine Freundin und Assistentin Lara half ihm beim Umblättern und später beim Signieren seiner Bücher. Das sichtlich beeindruckte Publikum, war aber nicht nur gefordert, es konnte auch herzlich lachen, schreibt doch Martin Hailer nicht jammernd sondern recht humorvoll und positiv kritisch. Schliesslich wurden bei der Fragerunde weniger Fragen zum Buch gestellt, das wollte man lieber kaufen und alles lesen, sondern zum Leben mit einer Behinderung. Martin Hailer, der die Regelschule in Rothenburg besuchte und anschliessend ein Studium zum Dolmetscher absolvierte, stellte fest, dass jede Behinderung anders ist und jede auch anders eingestuft werden muss. Auf die Frage, ob es ihn störe, wenn ihn die Leute anstarrten, meinte er, dass es ihn bei Erwachsenen sehr wohl stören könne, nicht aber bei Kindern. Die öffentliche Wahrnehmung dürfte sich noch verbessern, vieles sei aber bereits besser geworden. So würden heute Rossstuhlfahrende nicht mehr im Gepäckwagen der Bahn transportiert sondern in Abteilen des Zuges. Alle Busse seinen z. B. für Rollstühle mit Rampen ausgerüstet. «Ja, und soll man Behinderten, welche man antrifft, helfen oder nicht», war eine weitere Frage und Hailer meinte: «Blickkontakt aufnehmen und grüssen, der Behinderte sagt dann schon, wenn er Hilfe braucht.» Und so haben die Interessierten etwas dazugelernt und einen angeregten, fröhlichen Abend mit einem ungewöhnlichen Autoren verbracht.

Was guckst du so behindert