Die Finanzen machen Vereinen zu schaffen

Rigi Anzeiger vom 15. August 2013

Während zwei Wochen tourte Regierungspräsident Guido Graf durch den Kanton Luzern unter dem Motto «Beim Volk – zuhören». Seine Tour führte auch durch das Rontal unter anderem mit Zwischenhalt in Gisikon. Hier fand ein Treffen mit dem noch jungen Verein «Senioren 6038» statt.

«Dass wir für ein Treffen mit dem Regierungspräsidenten Guido Graf angefragt wurden, hat mich wirklich überrascht», sagt Kurt Zingg, der den im Mai 2012 gegründeten Verein «Senioren 6038» präsidiert. Eine kleine Runde hatte sich vergangenen Donnerstag im «Treff•6038» um den Regierungspräsidenten geschart. Kurt Zingg stellte ihm zuerst den Verein vor und das Haus, das die Gemeinde für Wohnen im Alter erwerben möchte. Graf zeigte sich interessiert, wollte die Hintergründe zur Entstehung des «Treff•6038» erfahren oder was die Senioren beschäftigt. Eine erste Antwort kam prompt: «Die Wege, die die Fahrradfahrer nutzen, sind voller Löcher. Warum werden die Velowege nicht repariert?». Guido Graf habe sie auch gespürt, diese Löcher, während der Etappe von Inwil nach Gisikon und sagte dazu: «Ich will mich nicht herausreden. Da haben wir Nachholbedarf. Wir haben ein Mittelproblem.» Das liess ein weiteres Vereinsmitglied nicht gelten und kommentierte: «Ein Loch auf der Fahrstrasse für Autos wird schneller geflickt.»

Der Regierungspräsident erinnerte an die Sparmassnahmen des Kantons. Und als die grossen Inv estitionen für den Tiefbahnhof in Frage gestellt wurden, wurde Graf deutlich: «Ohne diesen werden wir völlig abgeschnitten sein.»


Regierungspräsident Guido Graf hörte zu und erklärte auch. Stets an seiner Seite war auf der Tour seine Mitarbeiterin Silvia Bolliger.

Es waren einige Themen, die die Seniorinnen und Senioren ansprachen. Sie erlebten einen kommunikativen Regierungspräsidenten, auch wenn natürlich viele Fragen offen blieben. Guido Graf wollte im Gegenzug wissen, wie die Spitex in Gisikon organisiert sei. Er erfuhr, dass sehr wenige Leute in Gisikon diese in Anspruch nehmen. Im Alter würden die Gisikoner nach Ebikon ziehen. Das könne sich ändern, wenn die Gemeinde ihr Haus für Wohnen im Alter hat. Graf wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in 15 bis 20 Jahren ein Viertel der Luzerner Bevölkerung über 65 Jahre alt sein wird.

Als Charme-Offensive wurde im Vorfeld der Sommertour Guido Grafs Arbeitsreise genannt. «Das war leicht abfällig gemeint, aber es ist eine Bezeichnung, die mir gefällt. Ich finde, es steht der Regierung gut an, sich mit Charme um die Bevölkerung zu bemühen und eine Politik beim Volk für das Volk zu machen und nicht über das Volk hinweg oder am Volk vorbei», sagte Guido Graf am Ende seiner Tour. Nebst den Senioren 6038 hat er weitere 32 Institutionen, Vereine und Organisationen besucht. «Grossen Eindruck hat mir dabei das grosse Engagement gemacht, das diese zahlreichen Institutionen unentwegt an den Tag legen. Diese Leistungen für unsere Gesellschaft verdienen Anerkennung. Auf die Frage nach Wünschen und Anliegen blieben die meisten Institutionen bescheiden, äusserten sich jedoch über den Kampf mit Finanzknappheit und den grossen Finanzdruck», schilderte Guido Graf. Er betonte, dass der Kanton zu diesen Institutionen Sorge tragen müsse. «Etwas hat mich stutzig gemacht: Ein Sportverein im Breitensport, den ich besuchte, muss sein Vermögen versteuern, dass er grösstenteils durch ehrenamtliches Engagement erwirtschaftet hat.»

Nebst Institutionen, Organisationen, Vereine und Bevölkerung traf sich Guido Graf auch mit zahlreichen Gemeinderäten, so etwa mit jenen in Meggen. Als einen Erfolg bezeichnete der Regierungsratspräsident die menschlich berührenden und bereichernden Gespräche sowie Erfahrungen, die er auf dieser Sommertour machen durfte und meinte zum Abschluss: «Die physische Reise ist hier und jetzt zu Ende. Die Eindrücke, Gespräche, Anliegen und Wünsche trage ich jedoch weiter bei mir.»


Guido Graf (hinten mitte), Tourbegleiter Gerry Lötscher (vorne links), Gemeinderätin Yolanda Heinrich (vorne sitzend) und Genossenschaftspräsident des «Treff•6038», Ruedi Maurer (vorne rechts).