Gratisleistungen für Luzerner: Unterschiede sind riesig

zentralplus vom 24. April 2017

Stanserhorn oder Schirm: Wie Einwohner profitieren

Die SBB-Tageskarte ist der Klassiker: Luzerner kommen häufig in den Genuss von kostenlosen Freizeitangeboten. Doch die Unterschiede zwischen den Gemeinden sind riesig: Während einige kostenlos aufs Stanserhorn geschickt werden, dürfen andere ein Velo ausleihen – oder erhalten gar nichts. zentralplus hat die spendabelsten und die knausrigsten Gemeinden gefunden.

Kostenlose Ausflüge, verbilligter Eintritt ins örtliche Hallenbad oder Rabatt in der Gemeindebibliothek: Viele Gemeinden des Kantons Luzern gewähren ihren Einwohnern Vergünstigungen. Subventioniert wird dies aus der Gemeindekasse. Die Angebote erfreuen sich denn auch meist grosser Beliebtheit.

Doch wie umfangreich und grosszügig sich die Gemeinden zeigen, variiert stark. Je nach Wohnsitz gibt es für Luzerner echte «Zückerli» – mit ein bisschen Glück vollkommen gratis. zentralplus hat sich umgehört.

Gisikon verwöhnt seine Einwohner
Ein ganz spezielles Angebot erhalten die Einwohner von Gisikon. Die Gisiker erhalten auf der Gemeinde Gratis-Tickets für das Verkehrshaus, verbilligte SBB-Tageskarten, eine vergünstigte Kneipp-Tour durch das Naturschutzgebiet und – das Highlight – Gratistagesausflüge auf das Stanser- und das Stockhorn.

«Wir sehen das als ein freiwilliges Angebot für unsere Einwohner», sagt Gemeindeschreiber Beat Amrein. Vor allem für Rentner und Familien seien die Ausflüge auf das Stanserhorn und ins Verkehrshaus ideal.

Im Sommer Stanserhorn – im Winter Sedrun
Im Winter ist die Cabrio-Bahn aufs Stanserhorn nicht in Betrieb, darum sei dieses Angebot auf die Monate Mai bis November beschränkt. Fun Fact: Die Gisiker könnten mit den Tickets auch eine einmalige Fahrt im Gebiet Andermatt-Sedrun unternehmen – also Schlitten fahren oder Wandertouren unternehmen. Nur Skifahren sei keine Option: Die Karte ist nur für eine einmalige Fahrt gültig.

Doch auf diese Möglichkeit wird man in der Dorfpost Gisikon nicht verwiesen. Dies habe die Gemeinde bewusst nicht an die grosse Glocke gehängt, sagt Amrein. «Das ist ein Zusatzangebot der Stanserhorn-Bahnen. Wir kommunizieren das nicht, weil wir nicht garantieren können, dass dieses Angebot auch im nächsten Jahr noch besteht. Darauf haben wir keinen Einfluss.» Die Tickets blieben deshalb grösstenteils ungenutzt auf der Gemeinde liegen.

Im Sommer erwartet die Gemeinde aber wieder einen regen Gebrauch der Karten. Insgesamt lässt sich die Gemeinde den Dienst 1200 Franken jährlich kosten. Die Freude wiege diese Kosten auf, sagt Amrein. «Bei einem Budget von rund sechs Millionen Franken sind die Kosten marginal.»

Gratisvelos und Regenschirme
Mit ihrem Angebot sticht Gisikon aus allen Luzerner Gemeinden heraus – jedenfalls in Sachen Unterstützung der individuellen Freizeitplanung. Aber auch in anderen Gemeinden gibt es nennenswerte Angebote.

Die Stadt Luzern und die Gemeinden Sursee und Horw beteiligen sich gemeinsam mit den nidwaldnerischen Gemeinden Hergiswil, Stans und Stansstad an der Aktion «Take a Bike». Das Velo-Ausleihsystem kostet normalerweise zwei Franken pro Stunde (oder 20 Franken pro Tag). Um das neue Angebot zum Laufen zu bringen, subventionieren die drei Gemeinden aber das Angebot für ihre Einwohner.

Aber Achtung: Während Horwern und Surseern das Angebot bis 2020 vollumfänglich bezahlt wird, müssen die Stadtluzerner bereits ab 2018 das Mietvelo selber berappen.

Ein ungewöhnliches Angebot hat die Stadt Willisau seit Kurzem im Köcher. Neben SBB-Tageskarten und Verkehrshaus-Eintritten können Einwohner in Willisau Regenschirme gratis mitnehmen und sie später – wohl bei Sonnenschein – zurückbringen. Es gibt etliche Regenschirmstationen in Geschäften – also kann man sich bei Regen einfach einen schnappen und an einer anderen Station wieder deponieren. Kosten tun diese den Steuerzahler nichts: Die Regenschirmaktion wird gesponsert vom Gewerbeverein Willisau. Dieser will Kunden so davon abhalten, in Einkaufszentren abzuwandern.

Die Sache mit den SBB-Tageskarten
Längst in vielen Gemeinden Usus sind die SBB-Tageskarten. Diese lassen sich an den meisten Orten online vergünstigt erwerben. Normalerweise kosten diese 75 Franken – wer früh genug plant, kann da erheblich sparen.

Nur: Je nachdem, woher man kommt, spart man unterschiedlich viel: In der Gemeinde Schüpfheim kostet die Tageskarte ab Juni 48 Franken – in Schenkon dagegen gerade einmal 35. Das SBB-Tageskarten-Angebot kostet die Gemeinden übrigens viel mehr als die Eintritte ins Verkehrshaus (3 Tagespässe jährlich 360 Franken) oder die Gisiker Variante der Stanserhorn-Bahn-Tickets: Eine Gemeinde-Tageskarte kostet 14’000 Franken im Jahr. Oder anders gesagt: 38.30 Franken am Tag.

Kleiner Tipp: Wenn die eigene Gemeinde keine Tageskarten mehr zur Verfügung hat, lohnt sich ein Blick über die kommunalen Grenzen. Denn viele Gemeinden geben die SBB-Tageskarten auch an Auswärtige ab – oft mit einem kleinen Aufpreis.

Wer sich zurückhält
Doch nicht überall reisen die Bürger vergünstigt durchs Land oder geniessen auf Kosten der Gemeinde ihre Mussestunden. Die Gemeinde Hitzkirch lässt verlauten, man biete «mangels Interesse und mangels finanzieller Ressourcen keine Vergünstigungen oder Abos an». In Menznau, der Gemeinde mit dem höchsten Steuerfuss des Kantons, heisst es kurz und knapp: «Aufgrund der finanziellen Lage der Gemeinde Menznau wäre es stossend, solche Angebote anzubieten.»

Andere stellen sich aus Prinzip dagegen, beispielsweise die Gemeinde Kriens. «Wir sehen es nicht als Aufgabe der Gemeinde, in Einzelfällen Freizeitaktivitäten von Privatpersonen zu subventionieren», heisst es auf Anfrage. In der Agglomerationsgemeinde investiere man sonst schon viele Ressourcen in Freizeitangebote. So seien Angebote wie die Sonnenbergbahn oder das Parkbad vergünstigt durch Subventionen der Gemeinde. Und sporadisch kommt man auch als Krienser in den Genuss von günstigen Freizeitaktivitäten: Am «Krienser Tag» – der nächste findet am 28. Mai statt – kann man Pilatus- und Sonnenbergbahn zum halben Preis benützen.

Gisiker kochen für Gisiker

Ein weiteres Angebot der Gemeinde Gisikon nennt sich «Gisiker kochen für Gisiker». Dabei können sich Einwohner melden, die gerne andere bekochen würden (und selber bekocht werden). Die Gemeinde organisiert dann ein Treffen in Vierergruppen – via WhatsApp-Chat. Dabei könne man neue Bekanntschaften machen, drei Mal ein feines Essen geniessen und einmal selber den Gastgeber geben, so die Gemeinde auf ihrer Webseite.