Ohne Fussgängerstreifen sicherer

Rigi Anzeiger vom 10. Oktober 2014

Erste Erfahrungen mit Tempo 30 in Gisikon

Die Strassenquerung ist auf wenig frequentierten Strassen in Tempo-30-Zonen ohne Fussgängerstreifen sicherer. Die Wissehrlistrasse in Gisikon erhält daher keine entsprechende Markierung.

Gisikon hat die bei der Tempo-30-Zone notwendigen Anpassungen in Absprache mit dem Kanton vorgenommen. «So wurde die Markierung des Rechtsvortrittes konsequent durchgeführt. Auf die Markierung von Fussgängerstreifen wurde auf Geheiss des Kantons verzichtet», so der Gemeinderat. Der Kanton stützte sich auf die Verordnung des Bundes, die grundsätzlich besagt, dass Fussgängerstreifen in Tempo-30-Zonen unzulässig sind. Ausnahmen bei Schulen und Heimen können gemacht werden. Die Bewilligung von Signalisationen und Markierungen obliegt der Signalisationsbehörde; im Falle von Gisikon ist das der Kanton.

Gefährliches Vortrittsrecht
Grundsätzlich hat der Fussgänger ohne markierten Fussgängerstreifen keinen Vortritt. Dies gilt auch in einer Tempo-30-Zone. Aus dem Kanton heisst es dazu: «Das Gefahrenpotenzial bei Fussgängerstreifen liegt beim Vortrittsrecht. Ist ein Fussgängerstreifen markiert, wird die Aufmerksamkeit beim Fussgänger, dem schwächeren Verkehrsteilnehmer, vermindert. Das Miteinander und der Augenkontakt zwischen Fahrzeuglenker und Fussgänger gehen verloren. Der Fussgänger «erzwingt» oft das Vortrittsrecht. Es ist wesentlich sicherer, einem Fahrzeug den Vortritt zu gewähren.»

Videoaufnahmen durch Kanton
Die Videoaufnahmen, die durch den Kanton gemacht wurden, zeigen deutlich, wie die Kinder die Querung benutzen. Sie stellen sich auf die «bfu-Füsse», schauen links und rechts, warten bis das Fahrzeug hält und queren dann die Strasse. Dieses Verhalten lernen die Kinder beim Verkehrspolizisten und setzen es im vorliegenden Fall perfekt um. Wollen Kinder die Strasse queren, halten beinahe ausnahmslos alle Fahrzeuge an. Dies trifft nicht nur auf Gisikon zu, sondern an allen Stellen, wo Querungshilfen gekennzeichnet sind. Optimaler wäre es gemäss den Experten, wenn die Querung baulich oder gestalterisch eingeengt würde, um ein Kreuzen von zwei Fahrzeugen zu verhindern. Damit würde auch die Querungsdistanz der Kinder verkleinert.
Abschliessend hält der Kanton zur Situation in Gisikon fest: «Anhand des minimalen durchschnittlichen täglichen Verkehrs und der konzentrierten Fussgängerquerungen der Kinder (jeweils bei Schulbeginn innerhalb 15 Minuten) sehen wir aufgrund der Erkenntnisse aus den Aufnahmen keinen Grund, einen Fussgängerstreifen zu markieren. Die Wissehrlistrasse ist aufgrund der uns vorliegenden Aufnahmen über 7 Stunden ein Vorzeigebeispiel wie eine Querung von Kindern vorbildlich benutzt wird.» Die Aufnahmen und Beobachtungen sowie die Erfahrungen und Aussagen der Polizei bestätigten die behördliche Ansicht, dass es nach wie vor sicherer sei – insbesondere aufgrund der minimalen Verkehrsfrequenz – die Querungshilfe ohne Fussgängerstreifen auszubilden.

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